ROAS (Return on Ad Spend) ist das zentrale Profitabilitätsverhältnis für bezahlte Nutzergewinnung: Kampagnenumsatz geteilt durch Kampagnenkosten über ein definiertes Zeitfenster. Ein ROAS von 1,0 bedeutet Break-even in diesem Fenster — jeder ausgegebene Dollar generierte einen Dollar Umsatz. Ein ROAS von 1,5 bedeutet 50 % Marge. ROAS wird stets mit einem Zeithorizont angegeben: Tag-7-ROAS, Tag-30-ROAS, Tag-180-ROAS. Dieselbe Kampagne kann einen negativen D7-ROAS und einen stark positiven D180-ROAS aufweisen, weil Subscription- und IAP-Umsätze über die Zeit akkumulieren.
ROAS-Ziele nach App-Kategorie (grobe Richtwerte 2026):
- Subscription-Apps: D30-ROAS 50–70 %, D180-ROAS 120–150 %. Lange Amortisation, vorhersehbarer Recurring-Revenue.
- Free-to-Play-Games: D7-ROAS 15–25 % (impliziert vollständige Amortisation bei D90–D180). Whale-Konzentration treibt die Langzeit-Erholung.
- High-ARPU Finance / Fintech: D30-ROAS 30–50 %, D180 1,5–3×. Große Spanne, weil LTV stark am hinteren Kohortenschwanz liegt.
- Hyper-Casual ad-monetisierte Games: D1–D7-Amortisation oft gefordert — ARPDAU aus Anzeigen ist schnell, aber volumensabhängig.
Die genaue ROAS-Messlatte hängt von den Kapitalkosten (WACC), der Fixkostenbasis und dem Vertrauen in das Langzeit-LTV-Modell ab.
ROAS-Bidding in modernen Ad-Plattformen (Meta App Campaigns, TikTok Spark Ads, Google Ads UAC) nutzt ein Vorhersagemodell: Die Plattform schätzt, welche Nutzer den höchsten ROAS erzielen werden, und priorisiert die Impression-Allokation entsprechend. Damit ROAS-Bidding funktioniert, müssen genaue Post-Install-Umsatz-Events an die Plattform gesendet werden — jeder IAP, jeder Subscription-Start, jede Trial-Conversion. Die Plattform nutzt diese Events, um zu lernen, welche Nutzertypen Wert generieren, und bietet entsprechend.
iOS-Messproblem nach ATT: SKAdNetwork (Apples datenschutzfreundliches Attribution-Framework) liefert verzögerte, aggregierte, Conversion-Value-begrenzte Signale an Ad-Netzwerke zurück. Das Ergebnis: iOS-ROAS-Messung ist unschärfer und langsamer als Android. Workarounds umfassen Conversion-Value-Mapping (Umsatz in den 6-Bit-SKAN-CV codieren), MMP-gesteuerte Post-Install probabilistische Attribution und Zweitmessung via In-App-First-Party-Signal. Keiner davon ersetzt vollständig die deterministische Attribution.
Häufige Verwechslung: ROAS mit ROI gleichsetzen. ROAS ist brutto — Umsatz geteilt durch Werbeausgaben. ROI ist netto — Gewinn (nach Plattformprovision, COGS, Overhead) geteilt durch Gesamtinvestition. Ein ROAS von 1,5× entspricht oft einem knapp über dem Break-even liegenden Netto-ROI, nach Apples / Googles 30 %-Provision, Hosting-/Serving-Kosten und Betriebsoverhead. ROAS für taktische Kampagnenentscheidungen nutzen; Netto-ROI für strategische Kapitalallokation.